Anette Lippert | Leading Mothers
Shownotes
Anette Lippert ist ehemalige Teilzeit-Führungskraft und arbeitet heute als Speakerin und Impulsgeberin. Ihr Herz schlägt dabei ganz besonders für das Thema Female Leadership. Dazu hat sie mit Leading Mothers jetzt auch ihr erstes Sachbuch veröffentlicht.
Wir sprechen heute darüber, welche Führungskompetenzen Mutterschaft mit sich bringt und wie Frauen das für sich in der Arbeitswelt nutzbar machen können. Außerdem teilt sie die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Buch.
Das habe ich Anette gefragt:
• Was ist deine persönliche Erfahrung mit dem Thema Vereinbarkeit und insbesondere Teilzeitführung?
• Wie hängen Führung und Mutterschaft aus deiner Perspektive zusammen?
• In Bezug auf Führung in Teilzeit – was sind da die wichtigsten Erkenntnisse aus deinen Interviews?
Hier geht's zum Blogbeitrag, wenn du die Inhalte und Links dieser Episode nochmal nachlesen willst: https://teilzeittalente.de/76-anette-lippert-leading-mothers
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Mein Name ist Johanna Fink und ich unterstütze Unternehmen dabei, Führung in Teilzeit zum Erfolgsmodell zu machen. Mehr Infos zu mir findest du unter www.teilzeittalente.de
Transkript anzeigen
2.671
johannafink
Das war scheiße, vor allem das war jemand, der es nicht so geil fand. Aber gut, muss man alles mal gemacht haben. Ich fange mal an mit meinem Friedafreien Vorlesen. Annette Lippert ist ehemalige Teilzeitführungskraft und arbeitet heute als Speakerin und Impulsgeberin. Ihr Herz schlägt dabei ganz besonders für das Thema Female Leadership. Dazu hat sie mit Leading Mothers jetzt auch ihr erstes Sachbuch veröffentlicht.
10.111
Anette
Ja.
31.288
johannafink
Wir sprechen heute darüber, welche Führungskompetenzen Mutterschaft mit sich bringt und wie Frauen das für sich in der Arbeitswelt nutzbar machen können. Außerdem teilt sie natürlich die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Buch mit uns. Hallo Annette, schön, dass du da bist.
46.92
Anette
Hallo Johanna, vielen Dank für die Einladung.
49.292
johannafink
Ja, sehr gerne. Ich freue mich sehr. Wir kennen uns jetzt ja schon ein bisschen und ich weiß, dass du lange an dem Buchprojekt gearbeitet hast und umso gespannter bin ich heute, was du dazu zu erzählen hast. Bevor wir auf dein Buch kommen und das Thema Mutterschaft und Führung ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen, würde ich von dir gerne wissen, was ist denn deine persönliche Erfahrung mit dem Thema Vereinbarkeit und insbesondere Teilzeitführung?
77.705
Anette
Also ich habe auch in Teilzeitführung gearbeitet. Das ist inzwischen schon sehr lange her, weil mein Sohn ist inzwischen 19 und deswegen sind das schon zwei, drei Jahre inzwischen. Da habe ich also in Teilzeit geführt in einem großen Unternehmen und habe auch Shared Leadership gemacht, als es das Wort noch gar nicht gab.
99.906
Anette
Damals waren die Unternehmen noch nicht ganz so, die wussten noch nicht so richtig, was sie damit anfangen sollen, obwohl es natürlich viele Teilzeitkräfte gab. Und ich hatte dann auch immer festgestellt, wenn ich mit anderen Teilzeitmüttern, das waren natürlich hauptsächlich Mütter, gesprochen habe, dass ich immer was Neues gelernt habe, was ich wieder meinem Chef erzählen konnte, wie man was machen kann. Und daraufhin habe ich dann beschlossen, da einen Teilzeitstammtisch zu gründen, damals noch ganz lapidar.
117.449
johannafink
Hm. Hm. Mhm.
127.039
Anette
Und da hatte ich dann innerhalb von einem Jahrhundert Mitglieder. Also da sah man den Bedarf einfach, den Unglaublichen. Und den gibt es immer noch, das inzwischen sind es 900, obwohl ich in der Firma nicht mehr bin. Und das heißt inzwischen flexible Arbeitszeiten natürlich und nicht mehr Stammtisch. Und ich habe dann auch sehr schnell die HR-Abteilung mit eingeschaltet, weil ich dachte, da muss man mehr draus machen aus den Erfahrungen.
150.879
johannafink
Cool. Wenn du so zurückblickst, war es ein gutes Modell für dich oder sagst du, okay, die Herausforderungen haben überwogen? Ja, ja.
161.596
Anette
Nee, für mich war es auf jeden Fall ein gutes Modell. Also bei uns war das so, mein Mann hat Vollzeit gearbeitet und nicht Teilzeit, also im Prinzip recht klassisch, allerdings sehr bewusst. Also wir haben da vorher drüber gesprochen und das vorher so wirklich ausgemacht, was glaube ich nicht immer passiert ist oder passiert. Insofern war das vollkommen in Ordnung und für mich hat es sehr gut geklappt. Also für mich war das genau das richtige Modell.
185.683
johannafink
Jetzt schreibst du auf deiner Website, dass du das Buch Leading Mothers schon vor 15 Jahren schreiben wolltest. Warum?
193.763
Anette
Ja, das kommt eben genau durch diese ganzen Gespräche mit diesen vielen anderen Müttern, mit denen ich zusammengearbeitet habe, auch mit Frauen, mit denen ich vorher zusammengearbeitet habe, wo wir dann mehr oder weniger gleichzeitig in Elternzeit gegangen sind und dann wieder kamen und du festgestellt hast,
210.145
Anette
wie sich eigentlich dein Image geändert hat, dadurch, dass du jetzt Mutter und Führungskraft bist und dass die Wertschätzung sehr gering ist. Und auch angenommen wird, dass du ja keine Karriere mehr wollen könntest, wenn man ja jetzt andere Prioritäten hat. Das sind ja Stereotypen, die es auch heute noch gibt. Und
218.66
johannafink
Hm. Hm.
230.06
Anette
Ich hatte damals so ein Schlüsselerlebnis, da war mein Sohn vier oder so und da war ich mit ihm auf einem Spielplatz und er spielte im Sand, neben ihm spielte ein anderes Kind mit einem sehr schönen Bagger und kurz darauf spielte mein Sohn mit dem Bagger und das andere Kind heulte. Eine ganz typische Landgastensituation. Und so bin ich da dann hin und habe das Problem geklärt.
253.2
Anette
Und am nächsten Tag saß ich dann in einem Meeting mit zwei Abteilungsleitern und die klopften sich um ein Projekt. Und aus meinem Kopf schoss der Gedanke, jetzt gib ihm doch endlich den Bagger zurück. Da habe ich gedacht, ja, interessante Idee. Was habe ich denn gestern gemacht? Kann ich das hier anwenden? Und das habe ich dann gemacht. Also es ging erstmal darum, wem gehört der Bagger? Also wer ist der Project Owner? Können wir auch zusammen spielen? Also können wir auch irgendwie die Projekte aufteilen und zusammen was machen?
281.22
Anette
Und so weiter. Bis zu, können wir am Schluss auch den Mamas gemeinsam die Sandburg zeigen. Also können wir auch gemeinsam dann die Lorbeeren für das Projekt ernten. Das hat ganz toll geklappt. Und die sind beide glücklich raus. Und ich dachte, super, was ich hier so im Krisen-Konflikt-Management gelernt habe am Sandkasten, habe ich jetzt sehr gut übertragen können in diese Situation.
292.0
johannafink
Vielen Dank.
302.79
Anette
Und daraufhin bin ich da ein bisschen mehr darauf aufmerksam geworden und hab für mich gesammelt und auch mit anderen gesammelt und hab das auch ganz oft erzählt, dass ich eigentlich sollte ich mal irgendwann so ein Buch schreiben und bin immer auch sehr viel zu Stimmungen gestoßen. Deswegen vor kurzem, da hatte ich dann ein bisschen Zeit mehr und dachte, entweder jetzt oder nie, die Wertschöpfung ist immer noch nicht da, die Stereotypen sind immer noch da. Und es gibt
316.425
johannafink
Mhm. Mhm. Ja.
330.708
Anette
So viele Sachen, die man lernt, so viele Führungskräfte stärken, die man als Mutter lernt, das muss einfach mal rausgestellt werden.
341.082
johannafink
Ja, super. Jetzt hast du es gerade schon so ein bisschen anklingen lassen, aber ich würde gerne noch ein bisschen expliziter von dir wissen, du hast jetzt ein Beispiel gemacht. Wie hängen Führung und Mutterschaft aus deiner Perspektive zusammen?
356.288
Anette
Ich finde Mutterschaft ist eigentlich so eine Art Bootcamp für Führungseigenschaften. Also es ist jetzt nicht so, dass man unbedingt Mutter sein können muss, um bestimmte Führungseigenschaften, die ich da erwähne, zu bekommen. Das wäre irgendwie ein bisschen seltsam. Natürlich gibt es auch gute Führungskräfte, die keine Mütter sind. Aber ich finde Mutterschaft und Familienmanagement, was ja das Ganze eigentlich immer noch mit bedeutet, sind wirklich so ein Intensivtraining.
372.056
johannafink
Ja.
385.725
Anette
Und zwar dadurch, dass das mit Kindern immer sehr viel emotionaler ist und dementsprechend auch viel, viel direkter und viel intensiver. Dass du keine Ahnung hast, was du machst erst mal. Das ist immer ins kalte Wasser schmeißen. Du denkst am Anfang, na ja, wenn ich das Baby kriege, würde ich schon intuitiv wissen, wie das geht. Pustekuchen. Und mit jeder Entwicklungsstufe deines Kindes entwickelst du dich wieder mit. Und das ist wieder was komplett Neues. Ja, bloß weil du ein Baby hast, weißt du noch nicht, wie ein Teenager ist.
410.418
johannafink
Ja. Ja.
421.138
Anette
Diese ganzen Erfahrungen zusammen trainieren einfach wirklich sehr gut Führungsstärken und Skills, die man sehr gut einsetzen kann.
431.408
johannafink
Ja, ich würde das, also ich kann das echt nur aus eigener Erfahrung unterschreiben. Also auch zu Hause hat man Führungsarbeit zu leisten gegenüber den Kindern, eindeutig. Also das kann ich sehr, sehr gut nachvollziehen. Jetzt sprechen wir hier viel über das Thema Mutterschaft. Jetzt natürlich liegt die Frage nahe, gilt es denn auch für Pfadtäter und Vaterschaft?
454.343
Anette
Ja, im Prinzip schon. Ich habe deswegen Leading Mothers gemacht, weil erstmal bin ich selber eine Mutter und ich kann aus meinen Erfahrungen reden.
464.548
johannafink
Ja. Ja.
465.64
Anette
Meine Interviewpartnerinnen sind auch alles Frauen gewesen, also ich hätte auch Männer genommen. Aber das Thema ist, dass Frauen in Führung viel mehr dieses Problem haben mit diesem Kind oder Karriere oder geht Kind oder Karriere. Was wir selber Teilzeit machen, hauptsächlich Frauen. Die Care Arbeit hängt hauptsächlich an Frauen.
487.381
Anette
Geld verdienen Frauen weniger. Und da gibt es nicht nur den Gender Gap, sondern der Gap zwischen Männern und Müttern ist noch größer. Da kommt noch die Motherhood Penalty mit dazu. Väter bekommen ausgleichend einen Fatherhood Bonus, weil sie müssen die Familie ernähren. Und dementsprechend denke ich, dass Mütter die sind, die einfach zum Großteil davon betroffen sind. Und deswegen richte ich mich hauptsächlich an Mütter, aber klar,
496.067
johannafink
Hm. Ja. Ja. Ja. Ja.
514.753
Anette
gilt das auch für Väter, die ein ähnliches Lebensmodell haben.
519.68
johannafink
Ja, also ich glaube auch du hast völlig recht, die, sagen wir, Stereotype sind andere und die Vorurteile sind andere oder auch die Folgen vielleicht von Mutterschaft und Vaterschaft und gleichzeitig glaube ich schon auch, dass, also ich sehe das auch in meinem Mann, der hier vielleicht sich die Elternzeiten gewuppt hat, dass man natürlich auch als Mann sich in dieser Zeit weiterentwickelt und sinnvolle Fähigkeiten erwirbt, die man noch im Job brauchen kann.
541.783
Anette
Ja, ja. Lustig, wenn du sagst, dein Mann hat auch was gemacht, was ich ganz viel festgestellt habe in meinen Interviews. Also ich habe so um die 70 Frauen in verschiedenen Hierarchie-Ebenen und verschiedenen Industrien und so interviewt, um zu wissen, ob das, was ich mir denke, so allgemeingültig ist und habe eben Beispiele gesammelt für diesen Transfer, so wie die Bagger-Geschichte. Und eine Geschichte, ein Thema, was immer hochkam, war, ich habe Delegieren gelernt.
553.951
johannafink
Ja. Mhm. Mhm. Mhm. Mhm.
566.834
Anette
Und eine der schwierigsten Trainings ist das Mütter an Väter delegieren. Also dass Papas auch hinkriegt, die Windel zu wechseln. Auch wenn er das nicht so macht wie du. Aber dass es vollkommen okay ist, andere machen zu lassen und die kommen dann auch zu einem guten Ziel. Die haben vielleicht einen anderen Weg. Ja, kann auch sein, mein Kind räumt die Spülmaschine ein, das macht es auch nicht so toll wie du.
588.473
Anette
Oder eben ich gebe mein Kind ab eine Kindergärtnerin oder eine Lehrerin und dazu lernen, dass Delegation durchaus sehr positiv ist und gut funktioniert.
600.118
johannafink
Jetzt hast du schon so ein bisschen, hast erzählt, du hast Interviews geführt, aber jetzt erzähl doch nochmal ein bisschen, ok, wie, worum geht es in dem Buch genau und was sind denn eigentlich die zentralen Erkenntnisse, die du aus den Interviews vor allem auch gezogen hast?
613.951
Anette
Also in dem Buch geht es eben über die Stärken, die Frauen in der Mutterschaft und im Familienmanagement lernen und die eigentlich Führungskills sind. Ich habe ganz, ganz viel gesammelt. Die größte Herausforderung war, das Ganze zu strukturieren und wirklich gut nachvollziehbar zu machen. Deswegen habe ich fünf Bauklötze gefunden.
629.07
johannafink
Mhm. Mhm. Mhm.
636.203
Anette
Und in diese fünf großen Blöcke habe ich die ganzen Eigenschaften untergeordnet, die es gibt. Und meine fünf Bauplätze, da ist der erste, dann gibt es eben kein Eis, Konsequenz und effektives Projektmanagement. Der zweite Block ist, wie war es in der Schule? Empathie. Der dritte Block ist, ergeht im Ironman-Kostüm zur Schule nach und? Resilienz. Der vierte Block ist, gibt Ihnen Wurzeln und schenken Ihnen Flügel Weiterentwicklung.
660.128
johannafink
Mhm. Mhm.
666.22
Anette
Und der allerletzte Punkt heißt, wenn ich groß bin, werde ich Astronaut Vision. Und unter diese fünf großen Blöcke habe ich ganz viele kleinere Learnings, wie zum Beispiel jetzt das Thema Delegation, was wir gerade hatten, untergeordnet. Und das Ziel ist einfach, Frauen oder Müttern aufzuzeigen, was sie da eigentlich lernen, was für Stärken sie da eigentlich entwickeln. Es gibt so viele negative
693.006
Anette
Erfahrungen und Berichte, die auch alle sehr wichtig sind, das muss man auch kommunizieren, was da alles passiert, um das Thema zu pushen, aber einfach mal zu sagen, hey, ihr habt da auch was wirklich Tolles gelernt, das macht euch zu noch besseren Führungskräften und die Bauklasse deswegen, weil sich halt jeder seine verschiedenen Klötzchen raussuchen kann.
710.452
Anette
und zu seinem eigenen Schloss bauen kann und sagen kann, das sind eigentlich die Skills, die ich aufgebaut habe, die mich dazu befähigen, mich noch besser zu bewerben, zu befördert zu werden und so weiter und so fort. Und von Unternehmensseite eben zu sehen, was es da eigentlich für einen total ungenutzten Talentpool von Führungskräften gibt und sich der Stereotypen bewusst zu werden, dass man Mütter teilweise gar nicht wahrnimmt,
722.534
johannafink
Mhm.
736.527
Anette
als möglichen Kandidatin für eine Beförderung, weil man halt oft nett gemeint denkt, die ist ja beschäftigt mit ihren kleinen Kindern oder so. Und das eigentlich nicht gut ist für die Firma. Es ist, glaube ich, nur einer von zehn Führungskräften hat wirklich Talent dazu, sagt Gallup, und wieso sollte ich dann da meinen Pool noch mehr einschränken? Und ja, das ist das, was ich eigentlich möchte, mit Frauen ermutigen und entscheidend die Augen öffnen.
758.422
johannafink
Ja. Jetzt hast du ja auch aus der eigenen, also hast du ja vorhin auch gesagt, du hast quasi deine eigenen Erfahrungen oder Schlüsse mit diesen Interviews überprüft. Gab es auch Dinge, die rausgekommen sind, die dich überrascht haben oder die du so vielleicht vorher nicht gesehen hast?
781.903
Anette
Ja, was mich ein bisschen bestürzt hat, war, wie viele Frauen ihre Kinder in der Arbeit nicht erwähnen. Also die quasi so ein bisschen so tun, als hätten sie keine, als wären sie gar nicht Mutter, weil sie einfach Angst haben, auf die Mutterrolle reduziert zu werden. Und das fand ich, wie gesagt, das hat mich etwas bestürzt, weil ich gedacht habe, wie schade, das gehört doch zu einem dazu und zum eigenen Leben.
788.114
johannafink
Mhm. Mhm. Mhm.
813.387
Anette
Es haben alle, wenn sie darüber nachgedacht haben, Erfahrungen gehabt und gesagt, ja, das stimmt, da und da habe ich das und das gelernt. Wenn ich die Geschichten mal als Beispiel gebracht habe, um wieder Geschichten hervorzubringen, haben sie auch oft, war das Resonanz oft sehr, sehr, sehr positiv. Ja, stimmt, so habe ich das noch nie gesehen. Also das hat mich auch sehr gefreut. Und ich habe auch festgestellt, also weil wir jetzt gerade die negative Seite hatten, dass es durchaus Unternehmen gibt, die das gut können und die das gut machen.
841.886
Anette
Deswegen habe ich dann auch noch zwei Best Practice Beispiele von Firmen aufgenommen, weil ich ja auch Unternehmen zeigen will, dass es durchaus geht, dass es nichts ist, wo man nichts gegen tun kann.
852.963
johannafink
Was machen dann die, die es gut machen, anders?
856.869
Anette
Naja, zum Beispiel, also eins meiner Beispiele ist die Otto-Gruppe und die macht ein lebensphasenorientiertes Beförderungsmodell, weil es ja oft ein strukturelles Problem auch ist, dass die ganzen Beförderungsprozesse auf einen Typ von Menschen ausgerichtet sind, nämlich den jungen Mann, der sich dann halt relativ linear fortbewegt.
864.667
johannafink
Mhm. Ja.
876.51
Anette
Und wenn du ein Lebensphasenmodell hast, dann ist das natürlich viel besser angepasst an die verschiedenen Phasen, wo du vielleicht verschiedene Geschwindigkeiten an Beförderung und verschiedene Intensitäten haben kannst und hast. Das gilt ja nicht nur für Kinder, sondern auch, wenn du dich um Eltern kümmern musst oder um andere Themen. Das fand ich zum Beispiel sehr gut.
897.09
Anette
überhaupt die ganzen Prozesse zu überprüfen noch mal. Zu gucken, habe ich da aus Versehen Prozesse drin, die eigentlich Mütter benachteiligen. Weiß ich, irgendein Training und da hat der Chef gesagt, ach da gehst du mal nicht hin, weil das ist eine Woche und da bist du weg und du hast zwei kleine Kinder und später stellt sich fest, dass du das Training hätte gebraucht, um Beförderung zu lernen. Das sind so strukturelle Hindernisse.
911.775
johannafink
Ja. Ja. Ja. Ja. Ja.
922.022
Anette
Und dann gibt es so Sachen, also mein anderes Best Practice ist Netflix und die sind schon ziemlich weit in vielen Sachen im Benchmark und die machen zum Beispiel auch eine Sache, also Netflix muss man sagen, ist ein ganz spezieller Kandidat, weil die nur
937.261
Anette
High Performance einstellen, also nur die Besten in ihrem Gebiet. Und das ist natürlich dann auch eine ganz spezielle Gruppe und ein spezielles Team. Aber die sagen, diese High Performance kann halt auch nur abgerufen werden, wenn meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen glücklich und auf den Job fokussiert sind. Und wenn sie zum Beispiel eine Familie gründen wollen, und das klappt aus irgendwelchen Gründen nicht, dann wird das die so belasten, dass die auch in ihrem Job nicht mehr so gut sein werden. Deswegen machen die etwas, das nennen die Family Forming Support.
938.729
johannafink
Ja, ja. Ja.
967.261
Anette
Das heißt, die bezahlen, wenn du adoptieren willst oder eine Fruchtbarkeitsbehandlung haben willst. Und das finde ich insofern bemerkenswert, das machen ein paar amerikanische Firmen, was recht amerikanisch ist, als das wirklich so den Mitarbeiter und die Mitarbeiterin als Ganzes sieht und eben diese, ich mag sowieso das Wort World Life Balance eigentlich nicht.
987.009
johannafink
Es gibt ein schönes Wort und das heißt Life Balance übrigens.
992.704
Anette
Es gibt übrigens auch in der Psychologie eine Studienrichtung, die sich wirklich mit diesem Thema Skills, die du in einem deiner Lebensbereiche lernst, in anderen zu übertragen und davon zu profitieren gibt.
1011.556
johannafink
Ah, ok. Spannend. Spannend.
1018.707
Anette
Also da gibt es sogar auch wirklich psychologische Studien drüber, was ich sehr interessant finde, was ich nicht wusste, bevor ich angefangen habe, darüber zu recherchieren, dass das wirklich auch eine wissenschaftliche, fundiert ist das Ganze.
1034.343
johannafink
Also super interessant, was du jetzt erzählt hast, was mich jetzt natürlich auch interessieren würde. Ich nehme mal an, dass du in deinen Interviews sowohl mit Vollzeit als auch mit Teilzeitkräften gesprochen hast oder vermute ich mal stark. Falls ja, gab es da einen Unterschied?
1049.428
Anette
Habe ich mit beiden, ja, mit relativ vielen Fällzeitkräften auch, was ich spannend fand, weil ich diese Erfahrung ja nicht hatte. Die wollte ich ja auch ergänzen. Also was ich ein bisschen schade finde, ist, dass sie sich teilweise ein bisschen misstrauisch beäugen. Und ich bin ganz großer Fan von Frauen fördern Frauen und man sollte sich doch da vielleicht gegenseitig unterstützen. Ja, ja. Und
1071.622
johannafink
Du meinst jetzt die zwei Modelle quasi, also, ja, ja, okay. Ja.
1077.466
Anette
Was ich aber sehr bemerkenswert fand, dass eigentlich Vollteilsmütter auch viele der Probleme haben, die Teilzeitmütter haben, weil die müssen auch oft zu einer bestimmten Zeit gehen. Die gehen halt dann später, aber sie müssen trotzdem zu einer bestimmten Zeit gehen. Die können auch nicht dann ewig rumdaddeln und rumhängen und alles noch fertig machen.
1094.36
Anette
sondern die haben genauso Anschläge, die haben genauso Vorurteile, bloß ein bisschen andere. Die sind dann eher die Rabenmütter, die Teilzeitkräfte sind ja die, die nicht wissen, was sie wollen. Aber die haben auch genauso eine Stereotypen. Die kriegen vor allen Dingen auch gerne diese Frage auf Geschäftsreisen oder so, was haben sie da mit den Kindern gemacht?
1100.06
johannafink
Ja, ja. Ja.
1114.582
Anette
dass das so eine Hassfrage ist von allen. Ich glaube, ich habe das letzte Mal der Hessischen Ministerpräsidenten auf der Münchner Sicherheitskonferenz gestellt worden, wo ich dachte, auf dem Level, dachte ich, hört das langsam auf. Aber nein. Ja, ja.
1126.391
johannafink
Nee, da wird's schlimmer. Das ist übrigens eine, hab ich für mein Buch recherchiert, umso weiter raufzukommen, desto konservativer wird, was Rollenbilder so angeht. Sieht man also auch tatsächlich beim Geschlechterverhältnis von Frauen und Männer in Führungspositionen ganz deutlich.
1143.682
Anette
Insofern haben die, glaube ich, doch mehr gemein, als man so denken sollte. Die haben auch beide den gesellschaftlichen Druck. Beide haben auch immer wieder Selbstzweifel. Ja, mache ich das richtig? Ist das das Richtige, was ich tue? Schade ich da irgendeinen Teil meines Lebens? Insofern, so unterschiedlich, wie man denkt, sind sie gar nicht.
1165.603
johannafink
Annette, das würde ich gerne als Schlusswort unseres Gesprächs hier stehen lassen. Das gefällt mir, denn ja, so unterschiedlich sind sie gar nicht. Das gilt für Frauen und Männer und das gilt eben auch für Teilzeitführungskräfte und Vollzeitführungskräfte. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg noch in der Vermarktung deines Buches und wünsche dir alles Gute.
1183.456
Anette
Vielen Dank.
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