Nadine Nobile | Mit New Pay zum fairen Gehalt?

Shownotes

Nadine Nobile begleitet Menschen in Organisationen dabei, neue Wege zu finden, um ihre Zukunft aktiv mitzugestalten. Seit Herbst 2017 treibt sie das Thema „New Pay“ und veröffentlichte im Juni 2019 gemeinsam mit Sven Franke und Stefanie Hornung ein gleichnamiges Buch.

Wir sprechen in dieser Episode darüber, was New Pay mit Teilzeitführung zu tun hat und wie alternative Vergütungsmodelle für mehr Fairness bei der Bezahlung von Teilzeitführungskräften sorgen können.

In dieser Episode erfährst du:
- Wie Nadine zum Thema New Pay gekommen ist und welche Erfahrungen sie als Teilzeitführungskraft gemacht hat.
- Was man man unter New Pay versteht und was das mit New Work zu tun hat.
- Wie New Pay Ansätze dabei helfen können , die Vergütung von vollzeitnahmen Teilzeitführungskräften fair zu gestalten.

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Mein Name ist Johanna Fink und ich unterstütze Unternehmen dabei, Führung in Teilzeit zum Erfolgsmodell zu machen. Mehr Infos zu mir findest du unter www.teilzeittalente.de

Transkript anzeigen

0.009

johannafink

Kind, ah nee, das ist der Mann, nicht das Kind. Genau, und dann geht's gleich los. Warten wir mal kurz, einen Moment. So, jetzt.

2.193

Nadine

Das war's für heute.

16.459

johannafink

Nadine Nobile begleitet Menschen in Organisationen dabei, neue Wege zu finden, um ihre Zukunft aktiv mitzugestalten. Seit Herbst 2017 treibt sie das Thema Newpay und veröffentlichte im Juni 2019 gemeinsam mit Sven Franke und Stephanie Hornung das gleichnamige Buch. Wir sprechen heute darüber, was Newpay mit Teilzeitführung zu tun hat und wie alternative Vergütungsmodelle für mehr Fairness bei der Bezahlung von Teilzeitführungskräften sorgen können.

40.784

Nadine

Ja, hallo Johanna, ich freue mich sehr, bin schon sehr gespannt auf deine Fragen.

44.497

johannafink

Ja, hallo Nadine, herzlich willkommen im Teilzeit-Talente-Podcast, schön, dass du da bist. Ja, ich freue mich auch, weil ich finde dieses ganze Thema Vergütung ist ein wahnsinnig spannendes, wenn auch, wir haben es im Vorgespräch auch schon so ein bisschen gehabt, auch ein sehr unerschlossenes Thema, muss man ganz ehrlich sagen, aber trotzdem macht es auf jeden Fall Sinn, drüber zu sprechen und drüber nachzudenken, finde ich, wie es anders gehen kann.

70.913

Nadine

Auf jeden Fall.

72.671

johannafink

Bevor wir gucken, was ist denn der Link überhaupt zwischen dem Thema New Pay und dem Thema Teilzeitführung, würde ich gern von dir erstmal wissen, wie ist es denn dazu gekommen, dass du dich mit dem Thema New Pay auseinandergesetzt hast.

84.65

Nadine

Also ich kam zu dem Thema so ein bisschen wie die Jungfrau zum Kind, da muss ich ehrlicherweise sagen, wir wollten ein Buch schreiben, mein Mann, Sven Franke, und die Wirtschaftsjournalistin Stephanie Honung und ich. Und wir wollten aber nicht einfach nur irgendwas zum Thema neue Arbeitswelt schreiben, sondern wir wollten ein Thema aufgreifen, wo es eigentlich noch nichts gibt, was noch unerschlossen ist. Und dann haben wir uns gefragt, was ist ein Tapu in der neuen Arbeitswelt?

109.36

Nadine

Und wir mussten nicht lange überlegen und kamen auf das Thema Gehalt. Und am Anfang dachte ich so, oh, das ist ja irgendwie langweilig, dieses Thema Vergütung, so klingt ja schon nicht wirklich sexy. Und ich muss aber gestehen, ich habe mich mittlerweile in das Thema so verliebt, innerhalb kürzester Zeit dann auch, in der Auseinandersetzung mit dem Thema, weil wenn man sich das mal genau anschaut, um was geht es da eigentlich, da geht es um eine

133.871

Nadine

Organisationslogik, also was vergüt ich eigentlich? Was belohne und entlohne ich? Und auf der anderen Seite die psychologische Ebene. Was macht das ganze Thema mit uns? Was haben wir für Glaubenssätze? Wie gehen wir mit dem Thema so komisch um? Und diese Wechselspielorganisationslogik und Psychologik, das ist etwas, was mich total fesselt und begeistert an dem Thema.

158.456

johannafink

Also kann ich sehr gut nachvollziehen, ich finde es auch wahnsinnig spannend und denke auch seit vielen Jahren drüber nach und finde es wirklich, wirklich sehr, sehr interessant. Und natürlich auch sehr, sehr relevant, muss man auch ganz klar sagen, um schon mal so einen Bogen ein bisschen zu dem Thema Teilzeitführung zu schlagen, das Problem, das wir ja momentan haben, dass gerade in vollzeitnahen Teilzeitführungspositionen wir oft eine sehr unfaire Vergütung haben bei Menschen.

182.415

johannafink

arbeiten vielleicht in 80 Prozent der Zeit, was andere in 100 Prozent der Zeit machen, aber sie machen oder liefern denselben Output. Und da kann man sich natürlich schon die Frage stellen, ist das eigentlich fair? Ja, bevor wir jetzt da so ein bisschen näher reingucken, würde ich gerne von dir erstmal wissen, was ist denn das eigentlich, dieses New Pay? Was steht man denn da drunter? Ich habe da im Kopf auch immer so ein bisschen das Thema, es hat was mit New Work zu tun. Ja, klär uns mal auf.

191.545

Nadine

Ja, definitiv.

206.456

Nadine

Ja, genau.

210.776

Nadine

Genau, so haben wir eigentlich auch zu dem Begriff, also wir haben auch den Begriff geprägt im Grunde, weil wir auf der Suche waren nach einem Hashtag, wir damals noch auf Twitter haben wir eben, wollten wir Stofffutter holen, was gibt es denn da draußen schon, weil wir uns ja damit beschäftigt haben, wie sieht denn eigentlich Vergütung, Entlohnung in Organisationen aus, die sich New Work verschreiben und das einfach

218.933

johannafink

Mhm.

232.602

Nadine

auch umsetzen, also nicht nur in ihrer Zusammenarbeit, sondern ganzheitlich auch beim Thema Vergütung und so kamen wir dann auf dem von New Work zu New Pay zu dem Begriff und

243.439

Nadine

Ja, dann haben wir eben geschaut, was ist denn das? Gibt es das Vergütungsmodell, das Vergütungssystem, der den Prozess, den man eben zur Gehaltsbestimmung und Entwicklung heranzieht für innovative Organisationen? Wir mussten feststellen, nein, es gibt nicht den Weg, es gibt keine Blaupausen, sondern

264.531

Nadine

Was eigentlich dann unserem New-Work-Verständnis entspricht, ist, dass jede Organisation schaut, was passt denn zu uns, zu unseren Werten, zu unserer aktuellen Situation, wonach richten wir uns Richtung Zukunft aus. Also es ist mehr ein Wie als ein Was.

279.548

Nadine

Und was uns sehr wichtig ist, und das sind Prinzipien, die wir eben auch aus dieser Betrachtung von sehr vielen Organisationen dann abgeleitet haben, sind Aspekte wie Transparenz, Partizipation, Wirdenken, also auch Richtung Werte, Unternehmenskultur, was ist uns heilig, was ist uns wichtig, aber auch Aspekte wie Selbstverantwortung, Flexibilität und eine Anpassungsfähigkeit, das haben wir unter dem Begriff permanent beta mit eingeführt.

308.456

Nadine

Und alles dreht sich eigentlich immer um den Begriff Fairness. Was ist denn eigentlich ein faires Gehalt? Und wenn man sich eben anschaut, schon in der Entwicklung, wie stärken wir den Partizipationen? Wie stärken wir Transparenz? Weil es geht da um ganz viel Nachvollziehbarkeit. Kann ich denn verstehen, wie sich mein Gehalt bestimmt und in Zukunft entwickelt? Was für Kriterien werden angelegt?

331.049

Nadine

Welche Möglichkeiten gibt es da eigentlich? Und da müssen wir immer wieder feststellen, dass es da große Lücken in Organisationen gibt. Also, dass da sehr viel ad hoc und eher situativ entschieden wird und nicht ein System oft nicht da ist, auf das man sich dann auch verlassen kann. Und dann haben wir da ein Thema mit dem Thema Fairness. Weil wenn für jeden, je nachdem, wer gerade da ist, neue Regeln oder neue Dinge möglich gemacht werden, fühlt sich natürlich der Rest nicht wirklich fair behandelt.

360.94

johannafink

Da kommt jetzt natürlich auch sofort das Thema Gender Pay Gap in den Kopf, also eine Ungleichbehandlung von Männer und Frauen. In Bezug auf das Gehalt ist ja sicherlich auch ein Thema, was dann damit reinspielt.

363.831

Nadine

Ja.

370.486

Nadine

Und beim Thema Führungskräfte, das sehen wir ja eh schon. Also wenn man den Gender Pay Gap reinschaut, dann sieht man, dass auf den unteren Gehaltsklassen oft noch, ich sag mal, dass auch gleich ungefähr gleich vergütet wird. Und dann gibt es ja Studien, die dann zeigen, so ab dem 30. Lebensjahr fängt der Gap an. Aber wir sehen auch in Gehaltsdaten, dass vor allem in Führungspositionen der Gap größer wird. Also umso mehr Verhandlung mit reinspielt.

394.497

johannafink

Mhm.

398.353

Nadine

umso wahrscheinlicher ist, dass es eben dann auch zu ungleichen, ja, Behandlung von Frauen und Männern kommt. Das ist so. Ja.

406.374

johannafink

Ja, spannend, dass du das gerade so beschreibst, weil ich jetzt auch im Kontext meines Buches auch festgestellt habe, dass diese Tradition, dass umso weiter man nach oben kommt, desto traditioneller ist die Rollenverteilung und desto stärker sind manche Dinge, die eben schon auf den unteren Eben sichtbar sind oder Ungleichheiten, die da sind, um desto stärker werden die sichtbar. Das ist ganz spannend.

429.462

johannafink

Jetzt würde mich noch interessieren, kannst du das Thema noch so ein bisschen in diesen New-Work-Kontext einbetten? Also was hat Newpay mit New-Work zu tun oder ist es jetzt nur zufällig so, dass die Dinge gleich heißen oder ähnlich heißen?

440.257

Nadine

Also es war damals unsere Ausgangsfrage, wir haben uns wirklich mit Organisationen beschäftigt, die

447.193

Nadine

die eben, ich sag mal vorne dranstehen, die ganz innovativ in der Zusammenarbeit sind und wir wollten eben wissen, wie regeln die denn eigentlich Vergütung? Und wir mussten dann feststellen, dass auch ganz viele, die zwar sehr innovativ arbeiten, aber immer noch eher klassisch vergüten, wo eine Geschäftsführung darüber entscheidet, wer was verdient beispielsweise. Und wir hatten dann gedacht, nee, wir wollen ja Vergütung dann auch für eine neue Arbeitswelt gestalten.

472.534

Nadine

Als wir dann, wir haben zwei Bücher mittlerweile zu dem Thema geschrieben, unser erstes Buch, New Pay, hatte dann zehn Geschichten mit drin und als wir dann eben angefangen haben, als es draußen war und die ersten Organisationen auf uns zukamen, oh ja, wir finden das total spannend, begleitet uns doch, waren das aber keine New Work Organisationen, sondern eher klassische Organisationen.

491.834

johannafink

Mhm. Mhm.

493.968

Nadine

die aber auch feststellen, also deshalb ist es nicht nur was für die Unternehmen, die jetzt schon unheimlich innovativ sind, sondern Organisationen, die feststellen, dass es aufgrund organisationaler Situation zu Spannungen kommt, wenn es um das Thema Gehalt und Vergütung geht, sei es, weil ihnen vielleicht sogar ein Gehaltssystem aktuell fehlt,

515.265

Nadine

Und egal ob New Work oder nicht New Work, Menschen wollen ja verstehen und wissen und wollen sich darauf verlassen können, dass sie fair vergütet werden. Also da sind wir jetzt gar nicht mehr, also die meisten unserer Kunden sind gar nicht so furchtbar, furchtbar New Workig, sondern sind oft auch eher klassische Organisationen, eine ganz, ganz große Bandbreite, auch was die Größe angeht und Branchen. Und wir merken gerade Organisationen, die

529.377

johannafink

Mhm.

540.482

Nadine

Fachkräftemangel haben oder Arbeitskräftemangel, sogar Logistikbranche, da kriegen wir auch gerade immer mehr auch Anfragen. Da sehen wir auch, dass diese Herausforderungen, also wie machen wir uns denn auch attraktiv als Arbeitgeber, als Arbeitgeberin eben ja jetzt auch die klassisch klassischeren oder traditionelleren Organisationen beschäftigt und die sagen, wir müssen uns da anders aufstellen und wir wollen neue Wege gehen.

566.854

johannafink

Jetzt hast du einen wichtigen Punkt angesprochen, nämlich das Thema neue Arbeitswelt. Und ein Punkt, der sich in der Arbeitswelt ja auch verändert, ist eben die Art und Weise, wie wir Arbeit machen, wie flexibel Arbeit ist, wie standardisiert auch Arbeitsmodelle sind. Früher gab es halt die standardisierte 40-Stunden-Woche für alle und entweder du hast da reingepasst oder nicht.

586.408

johannafink

Und gerade das ist ja auch etwas, was sich einfach mit dem Arbeitnehmermarkt gerade ändert. Arbeitnehmer haben eine größere Verhandlungsmacht. Und gleichzeitig haben wir einfach auch eine neue Rolle und neue Lebensmodelle, die Menschen gerne leben möchten. Also zum Beispiel eine partnerschaftlichere Aufteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit.

586.766

Nadine

Mh.

604.48

johannafink

So, und in dem Rahmen dieses Kontextes haben wir es eben auch mit Teilzeitmodellen natürlich zu tun, auch mit Teilzeitmodellen in Führung. Und ich habe es vorhin schon kurz angeteasert, jetzt haben wir das an der Stelle getritt ein Problem zutage, nämlich dass du auch schon angesprochen hast, dass man plötzlich merkt, oh hoppala, diese Vergütung rein in Bezug auf Arbeitsstunden, also sagen Arbeitsstunden sind das Maß, an dessen wir vergüten, da kommt man gerade bei Führungsjobs in Teilzeit schnell an die Grenze.

618.524

Nadine

Vielen Dank.

631.442

johannafink

Da entstehen Situationen. Ich habe das selber auch erlebt. Wenn man in 80 Prozent die Arbeit macht, die andere für ein volles Gehalt machen, dann ist da vielleicht irgendwann entsteht da vielleicht früher oder später schon noch eine leichte Unzufriedenheit. Und da kann man sich ja durchaus die Frage stellen, ist das eigentlich fair? Was glaubst du, wie können New-Pay-Ansätze dabei helfen, die Vergütung gerade von ebenso vollzeitnahen Teilzeitführungskräften fairer zu gestalten ein Stück weit?

647.995

Nadine

Ja, das ist es.

659.826

Nadine

Ja, ich finde diese Thematik auch deshalb spannend, weil ich in einer ähnlichen Situation war. Also meine letzten Angestellten-Tätigkeit, bevor ich dann selbst gegründet habe, hatte ich auch eine Teilzeitführungsstelle. Wir waren zu zweit für ein Team, hatten da, also haben auch dann noch Job-Sharing, also Art-Job-Sharing-Modell gemacht. Es waren aber zwei Teams, die sich sehr nah waren und wir haben dann sozusagen zu zweit die

682.858

Nadine

Teamleitung gemacht. Für eine Person wäre es auch definitiv zu groß gewesen. Aber ich habe damals eben auch dann 80 Prozent gearbeitet und habe dann so gedacht, Mensch, eigentlich gefühlt mache ich eigentlich auch den Job, den ich davor gemacht habe. Und meine Chefin hatte mir damals abgeraten, meine Stelle zu reduzieren, weil sie gemeint hat, ja, dann arbeitest du eh voll, bekommst aber deutlich weniger Geld. Ich habe damals, ich habe mich damals so ein bisschen

709.155

johannafink

Ja.

712.807

Nadine

Ich glaube, das ist ganz gut für mich geregelt, weil ich dann auf eine Viertagewoche auch wirklich gegangen bin. Also ich war da nicht jeden Tag da und ich glaube, ich habe dann auch wirklich versucht, mich ein bisschen zurückzunehmen. Aber ja, es ist dann immer wieder die Herausforderung.

727.875

Nadine

bin ich jetzt eigentlich nicht produktiver und ich hatte so das Gefühl, dass durch diesen einen Tag, den ich nicht bei der Arbeit war, mein freier Tag war übrigens immer der Donnerstag, da hatte ich so richtig das Gefühl, ja, dass ich die Dinge viel besser von oben so ein bisschen betrachten kann, dass ich eine viel wirkungsvollere Führungskraft war auch. Ich habe keine Kinder, hatte damals auch keine Kleinkinder oder so.

748.916

Nadine

sondern es war einfach, ich hatte die Zeit für mich und habe so festgestellt, ich habe das Gefühl, ich bin jetzt entspannter und damit auch eine bessere Führungskraft, weil ich einfach die Dinge immer mit ein bisschen Abstand betrachten konnte. Und wenn wir jetzt noch mal den Bogen dann drauf machen, ja, was vergüten wir denn eigentlich? Ich glaube, man muss sich mal die Frage stellen. Und ja, wir arbeiten in Zeiteinheiten und

777.005

Nadine

Ich glaube, es wird auch vielen Organisationen schwerfallen, sich davon zu verabschieden. Allein schon aufgrund arbeitsrechtlicher Aspekte, wie z.B. wir müssen Arbeitszeit erfassen, wie mache ich es vergleichbar.

791.988

Nadine

Und deshalb, ich hatte lang so auch über deine Frage nach und nach gedacht und dachte, ja, aber wie könnte man das dann kompensieren? Weil die Arbeitssituation ist eine andere. Ich habe weniger Freiheitsgrade als jemand, der sich vielleicht an die Vollzeit nimmt für die gleiche Aufgabe.

801.834

johannafink

Hm.

810.162

Nadine

Also wie kann ich das kompensieren? Und ich glaube dafür werden wir sicherlich, und deshalb finde ich auch gut, dass du dieses Thema anführst, werden wir sicherlich in Zukunft noch viel mehr Diskussionen führen. Also was sind unterschiedliche Arbeitssituationen, die in den Menschen sind? Einmal habe ich so Fokus.

828.353

Nadine

Ich sage mal, vielleicht jetzt 32 Stunden voll, ohne groß Pausen, Plausch und sonstiges, weil es einfach gar keine Zeit dafür ist. Und die anderen, die sagen, ich arbeite ein bisschen entspannter, habe ein bisschen mehr Zeit. Kann ich das dann gegeneinander dann so sagen, okay, da kompensiere ich was?

844.104

Nadine

Aber dafür braucht es auch ein gemeinschaftliches Verständnis dann in der Organisation. Also wie definieren wir eigentlich unsere Jobs und welche Optionen geben wir und wie vergüten wir Arbeitssituationen dann entsprechend, könnte man sich ja auch vorstellen als

859.172

Nadine

zu sagen, okay, man macht dann so eine Kompensation dann auch über eine temporäre Zulage, weil man vielleicht ja auch nur eine Zeit lang reduziert oder sagt, nee, ich kann auch auf Dauer gar nicht in den 32 Stunden beispielsweise den Job so machen, weil mich das einfach zu sehr erschöpft. Das kann ja auch wieder eine Situation sein. Ich glaube, darauf müssen wir auch achten.

879.428

johannafink

Ja. Ja. Ja.

883.319

Nadine

Und vielleicht sind es dann auch so Modelle, um zu sagen, nee, ich gehe ja all in, ich behalte mein Arbeitspaket, das ich vielleicht vorher schon hatte oder übernehme das gleiche Arbeitspaket, was eine Person mit einem 40-Stunden-Vertrag oder einem Vollzeitvertrag hat. Oder ich gehe ein bisschen zurück und sage, nee, ich gebe Aufgaben ab und reduziere auch mein Pensum.

906.715

Nadine

Und ich glaube, das wäre auf jeden Fall auch eine gesunde Art und Weise, das zu tun, nämlich zu reflektieren. Will ich auch wirklich das gesamte Paket oder ist es vielleicht aufgrund persönlicher auch Anforderungen, sei es privater Natur oder sonstigen Aspekten gesundheitlicher Situation, nicht auch dann wirklich wichtig zu sagen, hey, eigentlich merke ich gerade, ich gehe eigentlich drüber über das, was ich gerade leisten kann. Oder diese Leistungsspanne oder die Dauer ist jetzt einfach zu lange. Ich kann das nicht die ganze Zeit aufrechterhalten.

917.807

johannafink

Copyright WDR 2021

939.275

Nadine

Ich kann mich noch gut erinnern an die Zeit, in der ich selbst in so einer Führungssituation war.

945.316

Nadine

Ich hab dann auch gemerkt, na, ich hab natürlich auch mit einem 40-Stunden-Vertrag ja auch teilweise sehr viel länger dann gearbeitet und hab eben nicht die 40 Stunden gearbeitet, hatte dann eben auch entsprechende Überstunden. Muss ja auch sagen, nee, es ist jetzt irgendwann auch zu viel. Und ich glaube, dieses Thema eben, was vergüten und entlohnen wir, auch zu reflektieren. Also ich bin zum Beispiel nicht dafür, zu sagen, hey, da ist jemand, der oder die total sich reinhängt und voll viel Verantwortung trägt.

974.343

Nadine

Und deshalb eine Gehaltserhöhung bekommt man der Person aber eigentlich anmerkt, diese Last kann die Person auf Dauer gar nicht tragen. Also und das Problem ist, wenn ich aber dann, ich sag mal, noch mal ein Entgeltbaustein oben drauf pack und sag so, jetzt bekommst du eine saftige Gehaltserhöhung, weil du so furchtbar leistungsfähig bist und so unglaublich viel alleine trägst,

995.572

Nadine

dann kann es auch sein, ich treibe die Person damit gerade auch ins Burnout und in die Erschöpfungsdepression und das wollen wir ja auch nicht. Also deswegen auch zu sagen, unter welchen Konditionen mache ich denn jetzt diesen Job?

995.947

johannafink

Ja. Ja.

1008.865

johannafink

Ja, das ist ein super wichtiger Punkt, den du ansprichst, den ich auch so beobachte. Das Problem ist, dass sich die meisten Menschen, tatsächlich auch die meisten Unternehmen, einfach wenig Gedanken darüber machen, was bedeutet denn jetzt Teilzeit? Ist Teilzeit auch eine Reduzierung der Aufgabenvolumens? Ja oder nein?

1027.807

johannafink

Und daraus ergeben sich dann für mich eben auch Schlüsse, wie du sie jetzt geschildert hast, eben was bedeutet das für Vergütung. Also ich habe zwei ganz schöne Beispiele aus Gesprächen, die ich mit Teilzeitführungskräften geführt habe. Das eine betrifft das Thema Überstunden. Da hast du gerade auch gesagt, das ist ja auch so ein Punkt. Was ist denn, wenn die Menschen, die Vollzeit arbeiten, ja viel mehr arbeiten als vielleicht die Vollzeitnorm? Was heißt denn für mich das dann in Teilzeit?

1030.85

Nadine

Ja, ja.

1051.596

johannafink

Da habe ich von einem Unternehmen gehört, die auch bei mir im Podcast waren und die haben eine Überstundenpauschalierung eingeführt, die sie runterrechnen.

1058.899

Nadine

Mhm. Mhm. Mhm. Mhm. Mhm. Mhm.

1060.486

johannafink

Wir haben quasi gesagt, wir erwarten von Vollzeitkräften fünf Prozent Überstunden, keine Ahnung, was weiß ich, und das ziehen wir runter auf Teilzeit. Damit hat der Mitarbeiter erstmal klar, was wird eigentlich von ihm erwartet und kann aber dann auch sagen, wenn ich 20 Stunden Vertrag habe und ich habe meine fünf Prozent Überstunden gemacht, dann habe ich meinen Soll auch erfüllt. Fand ich zumindest eine transparente Lösung.

1081.664

johannafink

Und das andere Beispiel, das ich kurz bringen möchte, da wäre vielleicht auch dein Feedback dazu ganz interessant, ist, weil genau in diesen vollzeitnahen Positionen die Frage, okay, wie kann man jetzt, wenn man eigentlich weiß, man macht schon den Großteil der Arbeit einer Vollzeitposition, da habe ich jetzt mit einer Teilzeitführungskraft gesprochen, die hat quasi flexible und fixe Arbeitsstunden vereinbart.

1103.933

Nadine

Ja.

1104.599

johannafink

32 Stunden fest vereinbart und dann weitere drei Stunden vereinbart, die sie bezahlt kriegt, die aber erstmal nicht in ihrem Plan auftauchen. Und es kann Wochen geben, wo sie die braucht, kann aber auch Wochen geben, wo sie die nicht braucht. Das heißt, diese drei Stunden, das heißt sie kriegt quasi 35 Stunden fix bezahlt und arbeitet regulär aber 32. Das fand ich auch eine ganz smarte Lösung eigentlich an der Stelle. Was sagst du da dazu?

1127.363

Nadine

Ja, also ich glaube, was wir auf jeden Fall immer brauchen in Organisationen ist Flexibilität. Und da hat sich ja zum Glück in den letzten Jahren auch einiges getan. Also zumindest, wenn ich Organisationen betrachte oder auch mit denen wir zu tun haben, diese Bereitschaft auch

1142.995

Nadine

mal schnell ein paar Stunden hoch oder runter zu gehen, ist deutlich höher als noch vor fünf oder zehn, sogar zehn Jahren. Da war das ja schon, die Zeit geht ja gar nicht. Und jetzt so, ja, so, ich hab Organisation, da wechseln die Leute jetzt nicht wöchentlich und monatlich, aber doch sehr regelmäßig, teilweise auch saisonal. Weil sie sagen, im Sommer möchte ich, möchte ich mehr Zeit für Hobbys, Familie oder sonstige Dinge oder ich hab einen Garten und tolles Hobby.

1151.681

johannafink

Ja. Ja. Ja.

1169.753

Nadine

Und ich reduziere dann auch in gewissen Phasen, weil das auch zum Workflow in der Organisation passt. Und ich glaube, über Flexibilität und vor allem Klarheit, so was du gerade gesagt hast, was wird denn eigentlich erwartet, um nicht zu denken, auch, und ich glaube, das ist auch ganz wichtig, gerade bei Teilzeit, also unter welchen Bedingungen, was ist denn jetzt auch die Erwartung, die ich an mich selbst habe, aber vor allem auch die mein Umfeld an mich hat.

1182.449

johannafink

Hm.

1195.623

Nadine

Und gibt es da nicht die Möglichkeit zu sagen, hey, jetzt schauen wir mal auf die Aufgaben und schauen, okay, was davon können wir vielleicht einfach auch sein lassen? Also sich das einfach auch zu fragen und nicht auch einfach unhinterfragt, nur die Aufgaben weitermachen, gerade wenn ich aus einer Vollzeit komme und zu sagen, ja, ich habe jetzt sehr weniger Zeit, deswegen können wir was reduzieren.

1220.196

Nadine

Und damit es dann auch, ich sag mal, solange wir mit Stunden bezahlen und vergüten, solange das eine Rolle spielt, das eben auch zu würdigen und auch entsprechend einzuplanen und mitzudenken. Und gleichzeitig müssen sich Führungskräfte, die dann wiederum über Geld entscheiden, sich eben auch gut überlegen, was habe ich da jetzt für eine Person mir gegenüber sitzen.

1245.862

Nadine

Und ist es nicht so, selbst wenn ich das Gehalt jetzt runterrechne, aber sagen, ich habe hier eine totale Leistungsträgerin oder Leistungsträger aufgrund von bestimmten Kompetenzen, die die Person mit mitbringt und das rechtfertigt, dann sollte dann natürlich organisational besprochen werden, dann auch, dass die Person mehr verdient als jemand, der den gleichen Job halt eher so in einem

1269.053

johannafink

Ja. Ja. Ja. Ja.

1269.206

Nadine

nicht ganz so engagiert durchführen. Also da könnten sich auch Arbeitsgründe, gute Gründe dafür finden. Also was ermöglicht dir jetzt, dass so Vollzeit dann auch

1285.355

Nadine

vollzeitmäßig dann auch deine Aufgaben eigentlich wiederzutun. Also an Organisationstalent, Problemlösung, Umsetzungskompetenz. Also ich bin dann eher dafür zu sagen, dann lass uns diese Kompetenzen vergüten, was dann dazu führen kann, weil ich davon ausgehen würde, dass es nicht jeder, dann doch nicht jeder schafft, das Vollzeitpensum zu schaffen. Aber eben auch immer die unterschiedlichen Aspekte mit auf dem Schirm zu haben.

1313.203

johannafink

Ja, also spannender Gedanke, vielleicht an der Stelle noch so ein kleiner Einwurf, es muss auch nicht jeder schaffen. Also wir reden jetzt natürlich über einen sehr speziellen Fall, Thema Vollzeit, nahe Teilzeit, also gerade in geringeren Stundenzahlen sollte es aus meiner Sicht auch überhaupt nicht das Ziel sein, einen vollen Job zu machen. Das kann nicht funktionieren und das ist auch für niemanden fair so, sondern dann braucht es andere Modelle, entweder mit einem starken Vertreter viel Abgabe von Verantwortungsteam oder ein klassisches Top-Sharing oder Job-Sharing Modell.

1318.848

Nadine

Ja. Ja, definitiv.

1340.828

johannafink

Jetzt hat Du das vorhin auch schon ein bisschen angesprochen. Es gibt viele Gründe, die so an diesen klassischen Gehaltsstrukturen rütteln. Teilzeit ist ein Beispiel. Du hast vorhin eben das Thema Fachkräftemangel als anderes Beispiel angesprochen.

1353.899

johannafink

Ja, was heißt das denn? Also wenn jetzt da so Veränderungen stattfinden an der einen oder anderen Ecke, jetzt kommt eben die Teilzeitführungskraft, die so für sich da was rausverhandelt oder die irgendwie ein bisschen anders behandelt wird in Bezug auf Vergütung als vielleicht der Standardmitarbeiter, was bedeutet das denn für Unternehmen und auch für das Gehaltssystem Unternehmen? Also lässt sich das Thema so einfach auf Einzelpersonen runterbrechen oder steckt da nicht auch eine starke Wirkung auf das Gesamtsystem dahinter?

1378.231

Nadine

Ja, also definitiv. Also wenn wir an Faire-Vergütungssysteme und Strukturen denken, dann sind es Sachen, die wir immer als Regel etablieren müssen. Also dass das nicht nur jetzt für beispielsweise Johanna gilt und für Andrea, sondern dass das nachvollziehbar ist, nach welchen Kriterien.

1392.927

johannafink

Ja.

1398.234

Nadine

Werden denn Gehalter bestimmt und nach welchen Kriterien entwickeln sie sich weiter? Sodass das auch zugänglich ist, für jeden und jeden nachzuvollziehen zu können. Ah ja, da gibt es eine Teilzeitkraft, die vielleicht genauso viel verdient wie eine Vollzeitkraft. Weil Kompetenzen sind da einfach so ausgeprägt, was uns zeigt, Mensch, da ist ein Potenzial da, was sich für unsere Organisation einfach

1421.442

Nadine

ja, was sich ja im wahrsten Sinne des Wortes ja auszahlt, im wahrsten Sinne des Wortes. Und diese Regelsysteme ermöglichen dann ja auch anderen, die in die Situation kommen, eben genau das soll, sollen das ja genau das Gleiche ermöglichen. Und gleichzeitig anderen, das ist manchmal ja auch so Glaubenssätze, die Menschen haben, zu denken, ja, aber wenn jemand Teilzeit arbeitet, kann er oder sie ja gar nicht die gleiche Leistung oder den gleichen Wertbeitrag stiften, doch, das geht durchaus.

1425.179

johannafink

Ja. Ja.

1450.896

Nadine

Und da braucht man eben auch im Idealfall in der Organisation Verständnis dafür, wie denn Leistung in der Organisation entsteht. Also was ist denn Leistung? Und das ist halt auch so, da sind so viele prägende gesellschaftliche Gedanken drin, die einen denken und bei einem

1468.968

Nadine

Oder ich würde mal sagen, bei den meisten ist es eigentlich, wie anstrengend ist es eigentlich, was gebe ich an Input? Die meisten sagen, ich will fürs Ergebnis entlohnt werden, aber nein, schon psychologisch, wenn ich mich total verausgabe und anstrenge, egal ob in

1475.043

johannafink

Hm. Hm. Ja. Ja.

1485.435

Nadine

32 oder in 40 Stunden, dann will ich, dass diese Anstrengungen vergütet haben. Also da steht ja ein Mangel, da geht Energie weg und die will wieder aufgefüllt werden. Aber was halt für den einen total anstrengend ist, kann für die andere total einfach sein. Und deshalb geht es ja hin, dass wir immer mehr schauen, was ist der Outcome oder im Idealfall, was ist sogar der Impact, den eine Person

1509.991

Nadine

beiträgt. Aber diese Diskussion, die werden wir noch lange führen müssen, weil wir so geprägt sind von diesem, ja, ich gebe was rein und das muss dann auch wieder zurückkommen. Und es ist aber die Frage, was gebe ich rein? Ist es die Anstrengung oder ist es vielleicht nicht eher, ich bringe meine Kompetenzen ein und am Ende kommt was, was, ja, was Tolles dabei raus.

1520.282

johannafink

Mh.

1531.749

johannafink

Ja, da können wir, glaube ich, auch schön noch mal so zum Schluss den Bogen zum Thema New Work generell machen, weil ich genau denke, also ich habe mich gerade sehr angesprochen gefühlt von diesem Gedanken, ja, Arbeit muss nicht anstrengend sein. Also ich habe, ich bin auch mit diesem Glauben aufgewachsen und ich habe irgendwann gemerkt, ich kann manche Dinge, die für andere Leute total anstrengend sind, die mache ich auf der,

1553.422

johannafink

Das klingt ein Arschbacke, aber die mache ich aus der Hosentasche. Die fallen mir total leicht, die machen mir Freude, die machen mir Spaß, die geben mir eigentlich Energie. Und ich habe ganz lange gebraucht, zu verstehen, dass die trotzdem total viel wert sind oder dass ich dafür auch gut bezahlt werden darf. Weil zu dieser Prägung, da habe ich mich gerade sehr, sehr wiedergefunden.

1573.054

Nadine

Ja, die haben wir alle, die haben wir alle in irgendeiner Form, das ist gesellschaftlich einfach so in uns reingebrannt regelrecht, ja. Ja, vielen Dank Johanna und danke für deine spannenden Fragen.

1582.5

johannafink

Ja, liebe Nadine, also ich danke dir sehr für dieses sehr spannende und interessante Gespräch und ich wünsche dir alles Gute.

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